Europäischer Pfadfinderbund – Georgsritter
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„Multifahrt“ der Goldsteiner Pfadfinder

Eigentlich hatten die Goldsteiner Pfadfinder für diesen Sommer eine Großfahrt nach Sardinien geplant. Es war auch alles schon zur Abreise vorbereitet und gebucht. Aber aus besonderen Gründen konnte diese weite und lange Reise kurzfristig nicht angetreten werden. Das bedeutete aber nicht, daß die dreiwöchige Sommerfahrt ausfallen sollte. Nein, innerhalb von nur wenigen Tagen stellten die Pfadfinder eine komplett neue Fahrtenplanung für eine andere Fahrt auf, welche eine tolle Alternative zum ursprünglich geplanten Abenteuer war.

Seit Anfang des Jahres sind die Goldsteiner Pfadfinder glückliche Besitzer eines historischen Kielschwertkreuzers. Das schöne Boot namens Hummel konnte in sehr gepflegtem Zustand von einem wohlgesonnenen Freund gekauft werden. Eine größere Fahrt war aber in diesem Jahr mit dem Boot eigentlich noch nicht vorgesehen. Nun kam es aber anders und es sollte doch schon die erste Reise damit unternommen werden.

Aber zunächst veranstalteten die Pfadfinder in der ersten Woche zum ersten Mal in ihrem Pfadfindergelände ein kleines Zeltlager, um vor Ort das Boot, welches im Griesheimer Hafen liegt, für die Fahrt vorzubereiten. Neben diesen Vorbereitungen wurden natürlich auch andere Aktivitäten unternommen, wie es sonst im Zeltlager auch üblich ist. So gab es z.B. einen Orientierungslauf in der Wildnis des Schwanheimer Waldes, währenddessen versteckte Nachrichten und Verpflegung mit Kompaß und Koordinaten gefunden werden mußte. Einige Pakete waren auch auf Bäumen versteckt und konnten nur mit dem Kletterseil und Prusik-Technik erreicht werden. In einer Nacht machten die Pfadfinder einen Ausflug in den Taunus, um dort mit ihren Teleskopen den Sternenhimmel zu erkunden. Besonders war hierbei die Konstellation der Planeten Venus – Jupiter – Saturn – Mars und dem Mond, welche eine Zeit lang alle gleichzeitig sichtbar waren. Der Mars war in diesen Tagen so nah und deutlich, wie selten zu sehen. Mit ihren kleinen Jollen Aiolos und Boreas stimmten sich die Pfadfinder bei hochsommerlichen Temperaturen bereits auf das Segeln ein, indem sie vor dem Griesheimer Hafen auf dem Main kreuzten.

So verging die erste Fahrtenwoche im Nu und die Hummel war zum Ablegen bereit. Unter Motor ging es zunächst nach Gustavsburg an den Rhein, wo die Fahrtengruppe beim dortigen Segelclub Mainspitze zu Gast war. Nach der Erkundung des Segelrevieres rund um die Mainspitze ging es weiter flußaufwärts zum Lercher Loch. Dies ist ein kleiner Baggersee mit Anschluß an den Rhein. Nach ausgiebigem Baden blieb die Mannschaft mit der Hummel dann dort über Nacht vor Anker. Der kleine See ist ein Naturparadies für Vögel, Ringelnattern, Flußkrebse und Muscheln. Am Abend ziehen dutzende Weißstörche über das Gebiet und trinken am See. Am nächsten Tag setzt die Hummel ihre Fahrt fort zum Eicher See – ein größerer See mit Ortschaft und ebenfalls vom Rhein aus befahrbar.
Die Pfadfinder wurden von der Steggemeinschaft Eicher See besonders herzlich aufgenommen und für ihr schönes Boot sowie für ihr klassisches Auftreten als Pfadfinder bewundert. Am Eicher See feierten die Pfadfinder auch ihr Bergfest, welches die Mitte der Sommerfahrt markiert und an welchem sie traditionell nicht selbst kochen, sondern essen gehen.
In den folgenden Tagen fuhren sie dann die Strecke wieder zurück, zunächst nach Gustavsburg und schließlich nach Frankfurt, um die Hummel wieder in ihren Heimathafen zu bringen.
Während dieser Bootstage lebten die Pfadfinder komplett auf ihrem Boot – kochten, aßen, spielten und schliefen darauf. Der Umgang mit dem Boot und seinen Besonderheiten konnte in diesen Tagen gut erlernt werden. Auch die Mondfinsternis erlebten die Pfadfinder auf ihrem Boot vom Wasser aus.

Wieder zurück im Pfadfinderheim legte die Gruppe einen Tag Pause ein, reinigte die Ausrüstung und packte für den letzten Teil der Sommerfahrt die Rucksäcke. Nun ging es mit der Bahn ins schöne Frankenland nach Schweinfurt und von dort aus über mehrere Etappen durch Sand am Main, Hassfurt, Königsberg, Ebern, Sesslach bis nach Coburg. Übernachtet wurde im Wald, bei Freunden, in einem gastfreundlichen Dorf am Feuerwehrteich und zum Abschluß auf dem Pfadfinderzeltplatz Sauloch bei Coburg. Die Pfadfinder trafen auch während dieser Tage viele freundliche Menschen und hörten allerlei Geschichten über die Region im Frankenland.
Nach drei erlebnisreichen Fahrtenwochen kehrten die Goldsteiner Pfadfinder am Ende der Sommerferien braungebrannt und glücklich wieder nach Hause zurück – gerade so, als wären sie doch auf Sardinien gewesen. Was für ein schöner Sommer! Direkt im Anschluß an die Fahrt beherbergten sie aber gleich noch für eine Nacht eine italienische Pfadfindergruppe aus Livorno, welche auf der Durchreise eine Bleibe suchte.
Nun beginnen schon die Vorbereitungen für die Unternehmungen im Herbst.